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Auf den Bauch gekommen

Wochenkurier Altstadt 09/2007

Was bleibt von einer Schwangerschaft? Meist nur einige Fotos. Es sei denn der Bauch wird in Keramik festgehalten. Wie das aussieht, zeigt eine Ausstellung in einem neuen Umstandsmodeladen.

Schöne Erinnerungen sind der Inhalt, den die Kunst von Andrea Meinert birgt. Als junge DDR-Kunstlehrerin am ideologischen Vermittlungszwang gescheitert, hatte die Dresdnerin erst einmal umgesattelt: Tagsüber trug sie Kellnerschürze, Tablett und ein Lächeln im Gesicht. Abends "bemalte" sie Verwandtschaft und Freundeskreis.
Doch eines Tages stopfte sie Kellneruniform in den sprichwörtlichen Altkleidersack und ihren ersten Mann gleich mit. "Wenn nicht jetzt, mit 40, dann nie." Andrea Meinert begann ein neues Leben und verteilte die Künstlerutensilien in der ganzen Wohnung, bevor sie schließlich den passenden kleinen Laden auf der Bürgerstraße fand. "Das war dringend nötig", erklärte sie und kichert: "Als meine neue Liebe sogar in der Dusche über einen großen Bauch stolperte, meldete er Protest an."
Bauch? Irgendwann war die Portraitmalerin auf die Idee gekommen, die Wölbungen hochschwangerer Frauen in dekorative Wohn-Accessoires zu verwandeln. "Meine Schwägerin wurde mit 38 schwanger und wollte eine bleibende Erinnerung - außer ihrem Kinde, versteht sich", erklärte sie. "Und so haben wir lange mit Gipsbinden und Abgussmassen experimentiert, bis ich auf eine für Frauen völlig unbedenkliche Masse gestoßen bin."
Das war im Januar. Die perfekte Masse aus dem Dentalbereich lässt sie sich nun regelmäßig speziell mischen, denn die kugeligen Erinnerungsstücke aus Keramik finden Anklang. Genauso wie ihre kleinen Geschwister: Kinderhände und -füße als Geschenk für Oma und Opa zum Beispiel.
Bis Ende November ist eine Auswahl der teils mit privaten Dingen bemalten Bäuche im Stadtzentrum zu sehen. Hier eröffnet Christina Hänsel am 22.September ihr "bauchgefühl", ein Geschäft für schwangere und stillende Frauen, die sich in der schönen Zeit auch schön anziehen wollen. Passende Ausstellungen will die junge Mama regelmäßig zeigen.
Ihre Adresse - St. Petersburger Straße 18 - lässt schon vor der Eröffnung auf Humor schließen: Es ist die direkte Nachbarin von "Beate Uhse".